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Typ 9: Silikatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,45
1,60
2,10
2,75
3,35

Textliche Erläuterung:

Der Gewässertyp zeichnet sich durch einen für kleine bis mittelgroße Flüsse ver­gleichsweise niedrigen saprobiellen Grundzustand aus, der aus dem für diesen Typ charakteristischen turbulenten Strömungsbild resultiert. Hieraus ergibt sich ein im Vergleich zu Gewässertyp 9.1 relativ hoher Eintrag atmosphärischen Sauerstoffs. Im naturnahen Zustand wird die Autosaprobität sowohl durch exo­gene Faktoren (Laubwurf der Ufergehölze) wie auch durch endogene Faktoren (Makrophyten und Algen) bestimmt; aufgrund des stärkeren Vorhanden­seins aquatischer Vegetation liegt sie über derjenigen von Mittelgebirgsbächen.


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
70,00
35,00
63,00
56,00
49,00
42,00
T
Fauna-Index Typ 9
1,20
-0,50
0,86
0,52
0,18
-0,16
V/D
Anzahl EPTCBO
38,00
10,00
32,40
26,80
21,20
15,60
F
Metarhithral-Besiedler [%]
35,00
10,00
30,00
25,00
20,00
15,00

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Silikatischen, fein- bis grobmaterialreichen Mittelgebirgsflüsse zeichnen sich im naturnahen Zustand durch grobe Sohlsubstrate (Steine, Schotter), ein vielfältiges, vorherrschend schnelles Fließverhalten sowie ausgedehnte Schotter- und Kiesbänke mit gut ausgeprägtem Interstitial aus. Kennzeichnend ist zudem das vermehrte Auftreten von Arten kleinerer und kühlerer Gewässer (Metarhithral-Besiedler [%]). Aufgrund der großen Habitatvielfalt dieses Flusstyps ist die Makrozoobenthoszönose sehr artenreich (Anzahl EPTCBO), wobei Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera in naturnahen Gewässern dieses Typs bis zu 75 % der vorkommenden Individuen stellen (EPT [%] (HK)). Die strukturelle Vielfalt bedingt das Vorkommen speziell angepasster, anspruchs­voller Arten (Fauna-Index Mittelgebirgsflüsse).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine hohe Strukturvielfalt und eine natürliche Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (<= 56 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes beeinflussen, sind insbesondere die Strömungsdiversität, die Tiefenvarianz sowie der Siedlungsanteil im Einzugs­gebiet.

Fauna-Index Typ 9: Der Index bewertet die Auswirkungen struktureller Degra­da­tion auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikrohabitate) und auf Einzugsgebietebene (z. B. verstärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (> 0,52) indi­zieren ein strukturell intaktes Gewässer und sind bedingt durch das Vorkommen von Taxa, die bevorzugt Gewässer mit naturnaher Morphologie besiedeln (z. B. Arten sauerstoffreicher, schnell überströmter Schotterbänke wie Baetis lutheri oder Micrasema longulum). Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vor­kommen von Taxa, die in Gewässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, darunter Potamopyrgus antipodarum oder Radix labiata in größerer Individuendichte. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes, bestimmen sind insbesondere die Strömungsdiversität, die Ausprägung der Tiefenvarianz sowie der Waldanteil im Einzugsgebiet.

Anzahl EPTCBO: Die Gruppe der EPTCBO-Taxa (Ephemeroptera, Plecoptera, Trichoptera, Coleoptera, Bivalvia, Odonata) stellt in naturnahen Silikatischen, fein- bis grobmaterialreichen Mittelgebirgsflüssen den Großteil der vorkommenden Taxa (> 25 Taxa), darunter zahlreiche spezialisierte Arten, die kennzeichnend für die sauerstoffreichen, schnell überströmten Schotterbänke, die Moospolster oder die kiesig-sandigen Ablagerungen sind. Niedrige Werte des Metrics (z. B. durch Massenentwicklung weniger Arten) lassen u. a. auf Strukturarmut, unzureichende Sauerstoffversorgung oder eine durch Gewässer­ausbau vereinheitlichte Strömung schließen. Weitere Parameter, die das Vorkommen von EPTCBO-Taxa beeinflussen, sind das Vorhandensein von Querbänken, die Ausprägung der Breitenvarianz sowie der Siedlungsanteil im Einzugsgebiet.

Metarhithral-Besiedler [%]: Das Vorkommen eines erheblichen Anteils an Meta­rhithral-Besiedlern (> 33 %), darunter der Käfer Hydraena reyi oder die Köcherfliege Annitella obscurata, unterstreicht den rhithralen Charakter, den auch Gewässer dieser Größe (EZG: 100-1.000 m²) im naturnahen Zustand noch besitzen. Die Höhe des Anteils an Metarhithral-Besiedlern hängt zudem eng mit der ökologischen Qualität der zufließenden Nebenbäche zusammen und integriert so den Zustand des Einzugsgebietes in die Bewertung. Bestimmt wird die Höhe des Metric-Wertes durch Faktoren wie die Strömungsdiversität sowie den Waldanteil im Einzugsgebiet.


Modul „Versauerung“:

Für diesen Gewässertyp nicht relevant.

Textliche Erläuterung:

entfällt


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 12.12.2018
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